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acvProfil 4-2015 - Die Marathon-Frau

Oldtimer

acv Profil 4/15 9 bügels in Fachkreisen auch liebevoll „Erdbeerkörbchen” genannt – mit 1,8-l-Einspritzmotor und 95 PS, aber weitgehend ohne Extras. Einzige Aus- nahmen: eine Anhängerkupplung samt verstärktem Kühlsystem und ein Sport- fahrwerk. „Doch das war Mist”, erkannte die frischgebackene Eignerin, die ihr Schmuckstück 1987 persönlich im Kar- mann-Werk Osnabrück abgeholt hatte, schon auf der Heimfahrt nach Niestetal bei Kassel. Dabei war sie damals noch gar nicht flott unterwegs: Streng nach Einfahrvorschrift hielt sie die Motor- drehzahl stets brav unter 2000/min. Schließlich hatte sie mit dem guten Stück noch einiges vor. DER ACV WECKTE DIE LUST AM SLALOM Rennen fahren zum Beispiel. Zehn Jahre zuvor, ihr Führerschein war noch nicht ganz trocken, lief auf dem Metro-Park- platz in Kassel ein ACV Slalom – und als sie per Zufall vorbeikam und zuschaute, war sie spontan infiziert. Ingrid Batte- feld wurde auf der Stelle ACV Mitglied, beantragte eine Lizenz und musste dann erst mal noch eine Menge lernen: „Bis dahin dachte ich: Wenn ich nach links oder rechts lenke, fährt das Auto auch dahin. Dass das nicht funktioniert, wenn ich dabei voll auf der Bremse ste- he, wusste ich damals noch nicht – und mein alter Käfer hatte noch kein ABS.” Mit dem neuen Golf sollte das alles besser werden. Die Junglehrerin spen- dierte ihm Domstreben zur Versteifung und verstellbare Koni-Dämpfer statt des VW-Sportfahrwerks und bestritt fortan nicht nur Slaloms, sondern auch Gleichmäßigkeitsfahrten, rannte unter anderem auch in Hockenheim, Zand- voort und auf dem Nürburgring. HARTES CABRIO-LEBEN ALS SPORTGERÄT UND LASTESEL Nebenbei musste das Cabrio aber auch im Alltag ran. Diverse Umzüge, ein Hausbau und zwei Gärten bean- spruchten die Anhängerkupplung, tägliche Fahrten zum Dienst und Urlaubsfahrten nach Südfrankreich und Griechenland hielten die Tachowelle auf Trab. Kaum ein Alpenpass wurde nicht bezwungen, hinzu kamen häufige Einsätze für den ACV. Schließlich war Battefeld inzwischen Sportleiterin des OC Kassel und transportierte mit Golf und Hänger sämtliches Zubehör zu den Jugendkart-Veranstaltungen – von der Kaffeemaschine über Tische und Stühle bis hin zu den Turniergeräten. 2004 knackte der Kilometerzähler die 600 000-km-Marke, und da das Gölf- chen in den Ergebnislisten zunehmend weiter hinten landete, endete damals auch seine Motorsport-Karriere. NUR ZWEIMAL KAM DER PANNENDIENST Der alltägliche Einsatz blieb dem Mara- thon-Cabrio weiterhin nicht erspart, trotz zunehmender Alterserscheinungen: Mal streikte die Elektronik, dann die Licht- maschine, irgendwann war mal Wasser im Tank, zweimal musste der Pannen- dienst der Silbernen Flotte anrücken. Doch die meisten Probleme kurierte Ingrid Battefeld selbst: Der Kofferraum dient noch heute als Werkzeug- und Ersatzteillager, aufwendige Pflegemaß- nahmen sicherten die Langzeitqualität: Nach jeder Winterfahrt auf gesalzenen Straßen gönnte die Halterin ihrem Dau- erbrenner eine Unterbodenwäsche mit dem Dampfstrahler, zweimal im Jahr kroch sie ihm unter den Bauch, entfern- te Flugrost und gönnte ihm eine Hohl- raumversiegelung. Das Resultat: Außer den beiden hinteren Kotflügeln muss- te noch kein Karosserieteil erneuert werden. Wirklich geärgert hat sie sich in all den Jahren nur über Werkstätten, „die nichts mehr reparieren, sondern nur noch austauschen wollen” – und über die schlechte Ersatzteilversorgung: „Die Teile werden heute nur noch in China produziert – da muss man manchmal sechs Wochen drauf warten.” SELBST AM FAHRRAD BLÜHT KEIN ROST Wie sie damit klarkommt, dass ihr geliebtes Gölfchen demnächst im Museum und nicht mehr in ihrer Garage parkt, weiß Ingrid Battefeld heute noch nicht. Immerhin verfügt sie inzwischen über attraktive Trostspender: Open-Air- Fahrspaß gönnt sie sich weiterhin mit ihrem 30 Jahre alten Fahrrad (natürlich auch rostfrei), einem Paddelboot und einem Mercedes SLK. Ihren Bedarf an sportlicher Fortbewegung („Ich bin nun mal ‘ne Renn-Oma”) stillt sie mit einem Porsche 911 Speedster – und bei schlechtem Wetter schnürt sie mit ih- rem VW XL1 zur Arbeit an der Fachhoch- schule Frankfurt. Für die Zukunft hegt die Englisch-Dozentin aber noch einen Traum der eher gemächlichen Sorte: „Ein Kajütboot zum Schippern auf der Fulda – das wäre noch was für mich.” 7 Am liebsten fährt sie ohne Dach: Ingrid Battefeld und ihr Cabrio 7 Etwas vergilbt, aber immer noch lesbar: Sticker auf der Heck- scheibe 1 Nein, da hat keiner dran gedreht: Nur noch elf Kilometer fehlen bis zur Million 1 So weit reicht kein Wartungsheft: Die weiteren Werk- stattbelege füllen fünf Aktenordner 1 Sorgt für mehr Steifigkeit im Motorraum: Querstrebe zwischen den Stoßdämpferdomen _ACV Profil 4 DV1-Proof.indd 9 17.08.15 09:30 acv Profil 4/159 600000-km-Marke, und da das Gölf- _ACV Profil 4 DV1-Proof.indd 917.08.1509:30

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